Titelbild: © NASA
Der Text ist ergänzt von Wendel Simon.
Seit über fünf Jahrzehnten hat der Mond niemanden mehr gesehen, der dort selbst landet. 1972 endete mit Apollo 17 das berühmte NASA-Mondprogramm. Seitdem hat sich Raumfahrt enorm weiterentwickelt. Jetzt wollen die USA gemeinsam mit Partnern wieder zum Mond hinaus – mit dem Artemis-Programm. Der letzte große Schritt war Artemis II.
Bei Artemis II flog eine bemannte Besatzung um den Mond. Der Start war am 2. April. Ursprünglich war der Start für 2021 geplant. Nach mehreren Verschiebung legte man ein Zeitfenster für Februar bis April diesen Jahres fest. Bei einer Generalprobe im Februar trat ein Defekt auf und die Rakete wurde zur Reparatur wieder in die Halle gefahren.

An Bord der Orion-Raumkapsel saßen vier Astronautinnen und Astronauten. Sie umrundeten den Mond, landeten aber nicht dort. Die Mission dauerte knapp zehn Tage. Am 11. April landete die Kapsel auf der Erde. Die Crew kam dem Mond auf etwa 7.500 Kilometer nahe, nutzte anschließend dessen Gravitationswirkung, um ohne zusätzlichen Treibstoff wieder zur Erde zurückzukehren. Es war ein wichtiger Test für künftige Einsätze.
Warum landen die Leute nicht auf dem Mond? Weil Artemis II vor allem ein Testflug ist. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten waren Menschen so weit von der Erde entfernt. Die NASA wollte prüfen, ob alle Systeme zuverlässig funktionieren – Rakete, Kapsel, Sicherheit, Lebenserhaltung. Außerdem übten die Astronautinnen und Astronauten in der Schwerelosigkeit wichtige Manöver und Notfall-Szenarien. Wissenschaftliche Experimente blieben bei dieser Mission überschaubar; der Schwerpunkt lag ganz klar auf Sicherheit und Vorbereitung zukünftiger Mondlandungen.
Die Crew bestand aus Jeremy Hansen (Kanadier) und drei US-Amerikanern. Besonders historisch: Christina Koch ist als erste Frau überhaupt zum Mond geflogen. Damit unterscheidet sich Artemis deutlich von den früheren Apollo-Missionen, bei denen nur Männer an Bord waren. Auch Europa spielt eine wichtige Rolle: Die Europäische Weltraumorganisation ESA liefert entscheidende Technik. Zukünftig könnten auch deutsche Astronautinnen und Astronauten an Mondmissionen teilnehmen.
Artemis II bedeutet aber nicht das Finale. Geplant ist Artemis III, spätestens 2028 sollen wieder Menschen auf dem Mond landen. Langfristig soll sogar eine dauerhafte Mondbasis entstehen – vielleicht schon 2035. Dort könnten Strom erzeugt, Rohstoffe genutzt und neue Technologien getestet werden. Der Mond soll nicht Endziel bleiben, sondern als Sprungbrett für weitere Missionen zum Mars dienen. Dort lassen sich Systeme testen, die für lange Reisen nötig sind.

Ein zentraler Baustein der Zukunft ist das sogenannte Lunar Gateway. Eine Raumstation nahe dem Mond, die ihn auf einer speziellen Umlaufbahn umkreisen soll. Das Gateway wird nicht dauerhaft bewohnt sein, sondern Menschen nur kurze Zeit aufnehmen. Es dient als Zwischenstation, von der aus Mondlandungen vorbereitet werden. Nach Aufenthalten auf der Mondoberfläche können Astronautinnen und Astronauten dort wieder andocken, bevor es zurück zur Erde geht. Außerdem bietet das Gateway Platz für Experimente und neue Technologien – besonders wichtig für Langzeitmissionen wie eine Reise zum Mars. An dem Gateway arbeiten mehrere Länder mit, darunter USA, Europa, Kanada und Japan.
Doch die Rückkehr zum Mond ist mehr als ein wissenschaftliches Vorhaben. Auch andere Nationen, allen voran China, investieren stark in ihre Raumfahrtprogramme und verfolgen eigene Ziele. Deshalb gehört Artemis zu einem neuen Wettlauf im All – um technologische Führungspositionen und politischen Einfluss.
Raumfahrt wirkt oft fern vom Alltag, doch viele heutige Technologien stammen ursprünglich aus der Weltraumforschung – Satelliten, GPS, spezielle Materialien. Die Artemis-Missionen könnten künftig ebenfalls Innovationen bringen, die unseren Alltag beeinflussen.
Fest steht: Der Mond rückt wieder in den Fokus der Menschheit. Artemis II war der erste große Schritt in eine neue Ära der Raumfahrt – spannend, riskant und voller Möglichkeiten.

